Demokrat*innen von Anfang an

Neues Land – neue Begegnungen – neue Sprache – neue Politik. Junge Geflüchtete kommen in den Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit an. Sie sind motiviert, sich so schnell wie möglich die weitgehend fremde Umwelt anzueignen. Dies ist allein schwer zu erreichen. Trotz der Integrationsbemühungen in Schulen, Ausbildungen und Berufen, finden sich häufig Ehrenamtliche in der Aufgabe wieder, die gesellschaftliche und soziale Integration voranzutreiben.
Hier kommen die Aufgaben und Potentiale der Kinder- und Jugendarbeit zum Tragen. Sie kann  geflüchtete Kinder und Jugendliche nicht nur dabei unterstützen, in den Alltag integriert zu werden, sie ist auch in der Lage, diese schrittweise an die Teilhabe und die demokratischen Prozesse heranzuführen und zu zeigen, welche Freiheiten und Verantwortungen zur Selbstbestimmung offen stehen.

Zielsetzung

Ziel des von der Robert-Bosch-Stiftung finanzierten Projekts ist es, geflüchteten wie auch nicht geflüchteten Jugendlichen Zugang zu politischer Teilhabe zu ermöglichen. Die Kinder- und Jugendarbeit wird dabei als »Lernort für Demokratie« verstanden, der für die Vermittlung von Erfahrungen an Teilhabe, Selbstwirksamkeit und Verantwortungsübernahme fungiert.
Die Jugendlichen werden ermutigt ihre eigenen Ideen und Fähigkeiten innerhalb der Einrichtungen einzubringen. Sie „üben“ auf dieser Ebene, Interessen zu vertreten, Kompromisse auszuhandeln und Ideen gemeinsam umzusetzen. In der zweiten Phase wird eine Einbindung in Entscheidungsstrukturen der Einrichtungen erfolgen (etwa in Jugendhausversammlungen, Beiräten etc.). Zuletzt sollen diese Mitbestimmungsprozesse über die Einrichtung hinaus ins Gemeinwesen erweitert werden.
Gleichzeitig werden Jugendarbeiter*innen unterstützt, Aktivitäten zu erproben, die sie für die Umsetzung demokratischer Bildung mit geflüchteten jungen Menschen in diesem Setting benötigen. Hierfür werden in Workshops, Fortbildungen und Fachveranstaltungen an verschiedenen Standorten Konzepte erarbeitet, die den Umgang mit Betroffenen von Rassismus und die Inklusion in Einrichtungen professionell erleichtern soll.

Projektgestaltung

An dem Projekt sind vier sächsische Einrichtungen der OKJA beteiligt. Der Offene Treff für Kinder- und Jugendliche „50° NordOst“ in Leipzig, der Kinder- und Jugendclub „EL-Zwo“ in Chemnitz, das Kinder- und Jugendhaus „Substanz“ in Chemnitz sowie das „Dorf der Jugend“ in Grimma. Die inhaltliche Gestaltung der Projekte ist den jeweiligen Einrichtungen überlassen, so dass sehr unterschiedliche Ansätze von den beteiligten Projekten realisiert werden. Das Projekt wird mit demselben Konzept ebenfalls in Baden-Württemberg durchgeführt, hier von der AGJF Baden-Württemberg. Beide Projekte werden wissenschaftlich von der PH Freiburg begleitet.
Von der gleichzeitigen Durchführung der Projekte in Baden-Württemberg und Sachsen und deren wissenschaftliche Begleitung versprechen wir uns interessante Erkenntnisse. Da sich beispielsweise die Stammbesucher*innen der Einrichtungen in Baden-Württemberg von denen in Sachsen zum Teil deutlich unterscheiden, sind wir sehr gespannt darauf, wie sich die unterschiedlichen Voraussetzungen auf die Projektverläufe auswirken und welche Gemeinsamkeiten sich entdecken lassen.   
Das Projekt ist eine Neuheit. Bislang wird die Arbeit mit jungen Geflüchteten häufig auf die Integration in schulische oder berufliche Felder reduziert. Dass auch sie Teil unserer Demokratie sind, Beteiligungsmöglichkeiten brauchen und Interessen haben wird bei der aktuell geführten Abwehr- und Abwertungsdebatte oft ausgeblendet. Ziel des Projektes ist es, Demokratieerfahrungen im „Kleinen“, nämlich im offenen Betrieb von Jugendhäusern, entstehen zu lassen.



Projektlaufzeit ➜ Januar 2019 bis August 2020

Ansprechpartner*in ➜ Robin Harder, Tel.: (0371) 5 33 64 - 28, Fax: (0371) 5 33 64 - 26, E-Mail:

Kooperationspartner*innen ➜ Pädagogische Hochschule Freiburg, Leiter des Instituts für Soziologie: Prof. Dr. habil. Albert Scherr und AGJF Baden-Württemberg e. V.

gefördert von