Modellprojekt: Mut vor Ort. Arbeit mit Rechten, Jungen und Mädchen

Logo Mut vor Ort

In der Arbeit mit „rechtsextrem“ orientierten bzw. gefährdeten Jugendlichen gerät die Kategorie Geschlecht noch häufig aus dem Blick. Das jugendkulturelle Auftreten in rechten Szenezusammenhängen mit Intergruppenkonflikten und „machohaften“ Männlichkeitsmustern scheint insbesondere das Bedürfnis von Jungen und jungen Männern mit traditionellen maskulinen Geschlechtsrollenorientierungen anzusprechen, die darauf vertrauen, notfalls mit Gewalt sicherstellen zu können, wer „Herr im Hause“ ist.

Aber auch Frauen und Mädchen spielen eine Rolle in neofaschistischen Zusammenhängen und rechtsoffenen Jugendszenen, übernehmen hier Aufgaben und finden Anknüpfungspunkte entweder in traditionellen Rollen oder in einer „Emanzipation“ als politische Frau. Diese Zusammenhänge gilt es näher zu betrachten und eingehend zu bearbeiten, vor allem was das für die pädagogische Haltung und Konzepte im Alltag bedeuten kann.

Seit Mai 2011 setzt die AGJF Sachsen e.V. dazu ein dreijähriges Modellprojekt im Rahmen des Bundesprogramms „TOLERANZ FÖRDERN - KOMPETENZ STÄRKEN“ um, welches inhaltlich am Themencluster „Geschlechterreflektierende Arbeit mit rechtsextrem orientierten Jugendlichen“ ansetzt.

Für diese geschlechterreflektierende Auseinandersetzung werden Fachkräfte an Standorten begleitet, qualifiziert und Inhalte konzeptionell verankert. Das Projekt umfasst auch konkrete Aktionen mit Jugendlichen sowie Unterstützungsangebote wie Supervisionen. Im Ergebnis liegen übertragbare Konzepte vor und die Inhalte sind dreifach nachhaltig verankert: bei den Fachkräften, in den Konzepten der Einrichtungen sowie davon ausgehend in lokalen und regionalen Netzwerken.

Leitziel ist, dass eine geschlechterreflektierende Arbeit an den Modellstandorten als professionelles Angebot der Jugendhilfe zur Auseinandersetzung mit menschenfeindlichen Einstellungen stattfindet.

Das Besondere des Projektes ergibt sich in der Zielstellung, durch eine geschlechterreflektierende Arbeit die Präventions- und Interventionsmöglichkeiten gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, Antisemitismus und Gewalt von Kindern und Jugendlichen zu erweitern. Geschlechterreflektierende Arbeit sieht Geschlecht als ein zentrales Element in der pädagogischen Arbeit sowie als einen zentralen Ansatz für die Erklärung von Ungerechtigkeiten und Ungleichheitsannahmen. Souveränität und Überlegenheit werden dabei zugleich als Anforderungen wie Versprechen von Männlichkeit und Neofaschismus sichtbar.

Projektphasen und -inhalte

Auf Grundlage einer Situationsanalyse werden vorhandene Konzepte und die Praxis überprüft und zusammen mit den Fachkräften überarbeitet und weiterentwickelt. Dabei reflektieren regelmäßige Supervisionen, Qualifizierungen, Teamentwicklung und Fallberatungen den Prozess. Folgende Punkte finden im Modellprojekt Anwendung: konkrete Arbeitssituation als Grundlage, Orientierung an den Erfahrungen und Ressourcen vor Ort, sowie eine Umsetzung mit und durch die Standorte/Fachkräfte. Projekt- und aktionsbezogen arbeiten wir an den Standorten auch mit Jugendlichen und begleiten den Praxistransfer.

Die Ergebnisse und Erfahrungen werden wir in Tagungen und Publikationen der Öffentlichkeit vorstellen und diskutieren. Ein Transfer des Themas und der Erfahrungen wird in Netzwerken auf unterschiedlichen Ebenen bis hin zur Sächsischen Jugendhilfe erfolgen. So entstehen übertragbare Qualifizierungskonzepte für andere Standorte sowie für die Fort- und Ausbildung.

Das Team des Modellprojekts begleitet über einen langen Zeitraum Einrichtungen, Standorte, Träger und deren Fachkräfte(teams). Wir stehen für konkrete Anfragen auch darüber hinaus zur Verfügung.

Wir sind sehr an Erfahrungsaustausch und konkreter Praxis vor Ort interessiert. Es können noch mehrere Modellstandorte aufgenommen werden. Bitte sprechen Sie uns an!

Angebote für Träger

Aufgrund der Förderung entstehen für die Träger keine Unkosten.

  • Entwicklung und Bereitstellung von Mitteln für Aktionen mit Jugendlichen
  • Angebot von (Team)Supervisionen für die Modellstandorte
  • Coaching, Beratung und Qualifizierung von Fachkräften der Jugendhilfe zur geschlechterreflektierenden Arbeit und Prävention von Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, Antisemitismus und Gewalt
  • Vermittlung von Kenntnissen und pädagogischen Präventions- und Interventionsstrategien
  • Trainingsangebote und Fortbildungen
  • Bereitstellung von Informationen, Materialien und Handreichungen
  • Unterstützung bei der Weiterentwicklung von Konzepten und Projekten
  • Arbeit am konkreten Bedarf und den damit ganz spezifischen und eigenen Themen sowie differenzierten Problemen

Ansprechpartner_innen

Karola Jaruczewski, Mitarbeiterin
Peter Bienwald, Mitarbeiter
Enrico Glaser, Projektkoordinator

Telefon: (0371) 5 33 64 - 20
Fax: (0371) 5 33 64 - 26
E-Mail:

Förderer

Das Modellprojekt wird gefördert durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) im Rahmen des Programms "TOLERANZ FÖRDERN - KOMPETENZ STÄRKEN", durch das Land Sachsen im Rahmen des Programms "Weltoffenes Sachsen für Demokratie und Toleranz" sowie durch die Heidehof-Stiftung.

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